Erich Fried Tage 2013
6.–10.11.2013

Literaturhaus Wien
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WELT – WOHIN?

Der österreichische Autor Erich Fried (1921–1988), der Namenspatron des internationalen Literaturfestivals »Erich Fried Tage« im Literaturhaus Wien, blieb selbst im Angesicht der in der Menschheitsgeschichte beispiellosen Vernichtung von Leben unerschütterlich ein Optimist. Er hat an der Veränderbarkeit der Welt festgehalten, an der gesellschaftlichen Verantwortung des Einzelnen. Utopie war für ihn eine reale Möglichkeit, ein konkreter Ort, wo alternative Gesellschaftsentwürfe möglich werden, obwohl Fried – die Trümmer Nachkriegseuropas vor Augen – auch dystopische Ahnungen und Ängste nicht fremd waren. Unter dem Motto Welt – wohin?, in Anlehnung an den ursprünglichen Titel der deutschen Übersetzung von Aldous Huxleys Brave New World, befassen sich die Erich Fried Tage 2013 mit den Utopien und Dystopien für das 3. Jahrtausend.
Das Literaturfestival beleuchtet totalitär regierte Zukunftswelten, sich auflösende Gesellschaftsordnungen und apokalyptische Weltuntergänge – etwa in den Texten von Kaspar Colling Nielsen (DK), Maurice G. Dantec (FR/CA), David Mitchell (GB), Nathaniel Rich (US) und Cordula Simon (AT). Der Programmschwerpunkt Konkrete Utopie Arabischer Frühling bezieht sich dagegen auf aktuelles politisches Geschehen. Die Gedichte des im Berliner Exil lebenden bahrainischen Dichters Ali Al Jallawi, des ägyptischen Hip-Hop-Künstlers Deeb und der palästinensischen Lyrikerin und Filmemacherin Hind Shoufani sind brennende Anklagen gegen Diktatur, Willkür und Unterdrückung, die, wie der maghrebinische Autor Tahar Ben Jelloun im theoretischen Teil des Schwerpunktes formuliert, der »Wiedererlangung der arabischen Würde« dienen.
Eine historische Perspektive – von den amerikanischen Salonkommunisten der 1930er-Jahre bis zur heutigen Occupy-Bewegung – verfolgt Jonathan Lethems (US) neuer Roman Dissident Gardens (der Titel bezieht sich auf den Spitznamen, unter dem das sozialistisch-utopische Dorf Sunnyside Gardens in Queens, N.Y., in den 1920er-Jahren bekannt war). Schlüsselfigur ist die jüdische Kommunistin Rose Zimmer aus Brooklyn, die nach der Absetzung des »alten Gottes« gültige Glaubenssätze und verwirklichbare Ideale sucht. Der intermedial zwischen Musik und Literatur arbeitende deutsche Künstler Peter Licht gibt eines seiner raren Konzerte. Der österreichische Autor Thomas Raab hat mit Die Netzwerk-Orange eine Satire auf eine postindustrielle Gesellschaft verfasst , in der die Katastrophe wider Erwarten nicht eintritt. In die weitgehend unbekannte Welt der Science-Fiction-Kürzestprosa entführt der österreichische Autor und Wissenschaftler Herbert W. Franke, einer der bekanntesten deutschsprachigen Science-Fiction-Autoren, seine Leser.
Comic und Grapic Novel, moderne Medien der Utopie, sind vertreten durch die stilprägend düstere Monats-Comic-Serie ZOT! des amerikanischen Comic-Künstlers und -Theoretikers Scott McCloud, sowie die Neuauflage des Comic-Klassikers Omega (Text: Jonathan Lethem). Autor und Filmexperte Thomas Ballhausen entdeckt Preziosen des österreichischen Science-Fiction-Films und diskutiert mit Diagonale Intendantin Barbara Pichler, Regisseur Paul Poet sowie Filmwissenschaftlerin Katharina Stöger ├╝ber >Potenziale des Utopischen< im heimischen Filmschaffen. Theoretische Wegmarken setzt der britische Philosoph Simon Critchley im Interview mit dem österreichischen Journalisten, Radiomacher und Autor Thomas Edlinger.
Der letzte Tag ist dem Erich Fried Preis 2013 gewidmet. Seit 1990 vergibt die Erich Fried Gesellschaft jährlich den mit 15.000 Euro dotierten Preis. In diesem Jahr hat sich die alleinige Jurorin 2013 Kathrin Röggla für den deutschen Autor Rainer Merkel entschieden, der im Frühjahr den viel beachteten Roman Bo veröffentlichte. Kathrin Rögglas Laudatio ist ebenso in dieser Dokumentation vertreten wie die Preisrede von Rainer Merkel.

Anne Zauner


>Nearly all creators of Utopia have resembled the man who has toothache, and therefore thinks happiness consists in not having toothache.< George Orwell

d o k u m e n t a t i o n
einleitung
einleitung3
Wer will,
daß die Welt
so bleibt,
wie sie ist,
der will nicht,
daß sie bleibt.


Erich Fried