Literaturhaus Wien
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Montag, 21. November 2016
17:00 Uhr
Tagung: Jüdische Gegenwarten in Europa
Round-Table-Gespräch 1

Erinnerung im globalen Zeitalter

 

 

 

 

 

 

 

Fast jeder zehnte Mensch in Europa lebt, vielfach den Kriegen und Diktaturen der Gegenwart geschuldet, nicht in seinem Geburtsland. Im Vordergrund dieser Sektion steht die Frage nach einem „europäischen Gedächtnisraum“, einer durch den Holocaust angestoßenen Gedächtniskultur über die historischen und regionalen Kontexte hinaus.

Einführung: Veronika Zwerger (Leiterin der Österreichischen Exilbibliothek)
Mit: Edek Bartz (Karaganda, Kasachstan / Wien), Barbara Honigmann (Straßburg), Robert Schindel (Wien)
Moderation: Doron Rabinovici (Autor und Historiker)

(Eine Veranstaltung in Kooperation mit Wiener Vorlesungen)

Edek Bartz, geboren 1946 in Karaganda, Kasachstan, ist ein österreichischer Musiker, Kulturschaffender und Kulturmanager. Der Sohn eines polnischen Chemikers und einer Wienerin wurde in einem Flüchtlingslager in der ehemaligen Sowjetunion geboren. 1958 kam er mit seiner Mutter nach Wien. Als Kulturmanager arbeitete er in den 1960er-Jahren für die Konzertagentur Stimmen der Welt. Mit seinem Schulfreund Albert Misak bildete er in den 1970er-Jahren das Duo Geduldig un Thimann, das die Pflege jiddischer Volksmusik betrieb. 1983-1991 kuratierte er gemeinsam mit Wolfgang Kos das Festival Töne/Gegentöne, 2005-2009 war Bartz künstlerischer Leiter der Kunstmesse Viennafair. Er ist Lektor an der Universität für Angewandte Kunst und kuratiert seit vielen Jahren die Jahresausstellungen der Universität.

Barbara Honigmann wurde 1949, nachdem die Eltern aus der englischen Emigration zurückgekehrt waren, in Ostberlin geboren. Ab 1967 studierte sie an der Humboldt-Universität das Fach Theaterwissenschaft, der Abschluss erfolgte 1972. In den folgenden Jahren arbeitete sie als Dramaturgin und Regisseurin in Brandenburg und an der Volksbühne sowie am Deutschen Theater. Seit 1975 ist sie freie Schriftstellerin. Seit 1984 lebt sie mit ihrer Familie in Straßburg. Honigmann wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. 2000 mit dem Kleist Preis, 2004 dem Koret Jewish Book Award und 2011 mit dem Max Frisch Preis der Stadt Zürich. Ihre Bücher erscheinen im Hanser Verlag. Zuletzt: Bilder von A. (2011) und Chronik meiner Straße (2015).

Robert Schindel, geboren 1944 in Bad Hall bei Linz, ist Lyriker und Romancier. Die Zeit des Nationalsozialismus überlebte er als Kind jüdischer Kommunisten in Wien. Er war Wortführer der radikalen Studentenbewegung Kommune Wien und Mitbegründer der Gruppe Hundsblume. 2009 begründete er das Institut für Sprachkunst an der Wiener Universität für angewandte Kunst. Werke zuletzt: Man ist viel zu früh jung. Essays und Reden (2011), Der Kalte. Roman (2013), Scharlachnatter. Gedichte (2015). Robert Schindel wurde u. a. mit dem Erich Fried Preis (1993), dem Eduard-Mörike-Preis (2000), dem Preis der Stadt Wien für Literatur (2003) und dem Heinrich-Mann-Preis (2014) ausgezeichnet.

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Montag, 21. November 2016
19:00 Uhr

Tagung: Jüdische Gegenwarten in Europa
Round-Table-Gespräch 2 mit literarischen Prologen


Lesungen aus ihren aktuellen Neuerscheinungen: Deborah Feldman (New York / Berlin) aus Unorthodox (Secession, 2016) und Arnon Grünberg (Amsterdam / New York) aus Muttermale (Kiepenheuer & Witsch, 2016)

Zeitgenössische jüdische Literatur


 

 

 

 

 

 

Es sollen Fragestellungen und Schreibprogramme jüdischer AutorInnen und Intellektueller der jüngeren Generation diskutiert werden, und zwar jenseits der Demarkationslinie öffentlicher Erwartungen und Zuschreibungen, gleich ob sie Vereinnahmung oder Ausschluss bezwecken.

Einführung: Ursula Seeber (Präsidiumsmitglied der Internationalen Erich Fried Gesellschaft)
Mit: Deborah Feldman (New York  / Berlin), Julia Franck (Berlin), Arnon Grünberg (Amsterdam / New York)
Moderation: Bettina Bannasch (Literaturwissenschaftlerin)

Deborah Feldman, geboren 1986 in New York, wuchs in der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, auf. Ihre Muttersprache ist Jiddisch. Sie studierte am Sarah Lawrence College Literatur. Ihre autobiografische Erzählung Unorthodox erschien 2012 bei Simon & Schuster und war auf Anhieb ein New York Times-Bestseller mit einer Millionenauflage. 2014 folgte Exodus. A Memoir bei Pinguin. Heute lebt die Autorin als Schriftstellerin mit ihrem Sohn in Berlin.

Julia Franck, geboren 1970 in Berlin, studierte u. a. Altamerikanistik, Philosophie und Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin. 1997 veröffentlichte sie ihr Debüt Der neue Koch. In den folgenden Jahren erschienen Erzählungen, Romane, Übersetzungen, Essays, Zeitungsartikel und Texte zu Literatur und Kunst. Francks Werk erscheint in Deutschland im S. Fischer Verlag und ist in knapp 40 Sprachen übersetzt. Für ihren Roman Die Mittagsfrau erhielt sie 2007 den Deutschen Buchpreis, zuletzt publizierte sie 2011 den Roman Rücken an Rücken.

Arnon Grünberg, geboren 1971 in Amsterdam. Seine Eltern sind Mitte der 1930er-Jahre aus Nazi-Deutschland geflohen. Seinen ersten Roman Blauer Montag veröffentlichte er 1994, im Alter von 23 Jahren. Grünberg ist auch für seine Tätigkeit als Kolumnist, Essayist, Journalist und Blogger bekannt. So schreibt er seit 2010 eine tägliche Kolumne für die holländische Zeitung Volkskrant. Neben allen großen niederländischen Literaturpreisen erhielt er 2002 den NRW-Literaturpreis für sein Gesamtwerk. Romanpublikationen zuletzt: Mit Haut und Haaren (2012), Der jüdische Messias (2014), Der Mann, der nie krank war (2014), Muttermale (2016). Grünberg lebt und arbeitet seit 1995 in New York City.

 

INTERNATIONALE ERICH FRIED TAGE 2016