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Sonntag, 20. November 2016
11:00 Uhr

Verleihung des Erich Fried Preises 2016 an Leif Randt


Der mit Euro 15.000 dotierte Erich Fried Preis wird von der Internationalen Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache vergeben und vom Bundeskanzleramt – Sektion Kunst | Kultur gestiftet.

Die Fried Gesellschaft, die sich den Vergabemodus für den renommierten deutschen Kleist Preis zum Vorbild genommen hat, überträgt die Verantwortung für die Wahl des Preisträgers/der Preisträgerin seit Errichtung des Preises im Jahr 1990 - anstelle einer mehrköpfigen Jury - einer einzigen jährlich wechselnden namhaften Autorin bzw. einem Autor. Nach Reto Hänny, der den Preis im Vorjahr Judith Hermann zuerkannt hat, hat sich in diesem Jahr die österreichische Autorin Eva Menasse für Leif Randt entschieden:

Die literarische Stimme von Leif Randt ist unverkennbar, einprägsam, eigen-artig im besten Sinn. Sie knackt vor staubtrockener Ironie, einer Ironie, die für mitteleuropäische Autoren ungewöhnlich ist. Nichts an seiner Sprache ist saftig, alles ist kühl und hochglanzpoliert, die Farben so schön klar wie aus dem Gefriertrockner. Es scheint die perfekte Sprache für Geschichten zu sein, die in sehr fremden Welten spielen, auf fernen Planeten, in einer Zukunft, in der sich eine vernünftige und durchrationalisierte Menschheit von allem befreit hat, was stört: Kriege, Krankheiten und Gefühle.
Was würde uns diese Literatur angehen, wenn sie wäre, was sie scheint? Wir leben schließlich in einer ganz anderen Welt. Das Faszinierendste an Leif Randts Büchern ist die tiefe Trauer, die hinter all der Ironie schimmert wie der Dunst über Coby County. Sie erzeugt den Sog seiner Geschichten. Je weiter weg er sie ansiedelt, desto näher kommen sie uns. Auf den fernen Planeten laufen wir selbst herum, in unserer Kontrollsucht, unseren hygienischen Distanzierungswünschen. Leif Randt ist ein hochbegabter, hochinteressanter junger Autor, dessen weitere Entwicklung Großes verspricht.

(Aus der Jurybegründung von Eva Menasse)

Leif Randt, geboren 1983 in Frankfurt a.M., studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Mit seiner mehrfach ausgezeichneten Wohlstandsutopie Schimmernder Dunst über CobyCounty (Berlin Verlag, 2011) und der bis ins Detail durchdachten Science-Fiction-Welt Planet Magnon (Kiepenheuer & Witsch, 2015) zählt er zu den stilbildenden deutschsprachigen Autoren. Leif Randt war zuletzt Stipendiat der Villa Kamogawa in Kyoto (Japan) und ist Mitbegründer des Labels www.tegelmedia.net. Er lebt in Berlin und Maintal-Ost.

Eva Menasse, geboren 1970 in Wien, begann als Journalistin beim österreichischen Nachrichtenmagazin Profil. Sie wurde Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und begleitete den Prozess um den Holocaust-Leugner David Irving in London. Nach einem Aufenthalt in Prag arbeitete sie als Kulturkorrespondentin in Wien. Eva Menasse lebt seit 2003 als Publizistin und freie Schriftstellerin in Berlin. 2005 erschien ihr Debütroman Vienna bei Kiepenheuer & Witsch, 2009 folgte ihr Erzählungsband Lässliche Todsünden und 2013 der mehrfach ausgezeichnete Roman Quasikristalle (Gerty-Spies-Preis, Heinrich-Böll-Preis, Literaturpreis Alpha). Zuletzt erschien 2015 ein Essayband unter dem Titel Lieber aufgeregt als abgeklärt. Im Frühjahr 2017 erscheint ihr neues Buch Tiere für Fortgeschrittene.

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Sonntag, 20. November 2016
19:00 Uhr
Tagung: Jüdische Gegenwarten in Europa
Gespräch

Günter Kaindlstorfer im Gespräch mit Robert Menasse

Robert Menasse definiert in seinem 2014 erschienen Band Heimat ist die schönste Utopie - Reden (wir) über Europa die Welt als längst transnationales Gebilde; es gibt nichts mehr von Belang, das innerhalb nationaler Grenzen geregelt oder an nationalen Grenzen gestoppt werden kann. „Nationen sind Betrug“, heißt es, „Regionen sind Heimat“.
Vor diesem Hintergrund spricht Robert Menasse mit dem Journalisten und Literaturkritiker Günter Kaindlstorfer über das Tagungsthema und die Möglichkeiten von „Jüdischen Gegenwarten in Europa“.


Robert Menasse, geboren 1954 in Wien, studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina. Er lehrte anschließend sechs Jahre an der Universität São Paulo. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 lebt Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien. Zuletzt erschienen: Ich kann jeder sagen: Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung (2009), Der Europäische Landbote. Die Wut der Bürger und der Friede Europas oder Warum die geschenkte Demokratie einer erkämpften weichen muss (2012), Doktor Hoechst (2013), Heimat ist die schönste Utopie. Reden (wir) über Europa(2014). Robert Menasse erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt 2013 den Heinrich-Mann-Preis und 2014 den Max-Frisch-Preis.

INTERNATIONALE ERICH FRIED TAGE 2016