Ralph Dutli erhält den Erich Fried Preis 2018

Sonntag, 25. November 2018 um 11 Uhr im Literaturhaus Wien

© Wallstein Verlag

„In vielen Sprachen zuhause, lebt Ralph Dutli seine künstlerische Leidenschaft in einem breiten Spektrum literarischer Formen aus. Seine Gedichte tanzen mit dissonanten Klängen und Reimen, und trotzdem antworten sie kenntnisreich auf Traditionen aus aller Welten Poesie. So hat Dutli u. a. auch die Fatrasien, karnevalistisch-verrückte Verse des französischen Mittelalters, virtuos übertragen. Als Romancier kennt er sowohl die lyrischen Aufschwünge wie auch die präzise Recherche. Und auch seiner berühmten Biographie über den russischen Schriftsteller Ossip Mandelstam eignet der Gestus eines großen Erzählers. Dieser Autor ist ein Sprachversessener, der seine essayistischen Themen genauestens erkundet und funkelnd darbietet, ob es sich dabei um Dichter und deren Texte handelt oder um winzige Lebewesen wie Bienen und Oliven.“
Aus der Jurybegründung der alleinigen Jurorin Beatrice von Matt

Der Erich Fried Preis zählt zu den renommiertesten literarischen Auszeichnungen Österreichs. Er wird seit 1990 durch die Internationale Erich Fried Gesellschaft vergeben und zeichnet sich dadurch aus, dass ein/e namhafte/r Autor/in oder Publizist/in – anders als bei einer mehrköpfigen Juryentscheidung im Konsens – allein die Entscheidung verantwortet, wem der Preis zuerkannt wird, und diese Wahl mit einer Laudatio begründet. Im Jahr 2018 hat die Fried Gesellschaft die Schweizer Literaturkritikerin, Publizistin und Redakteurin Beatrice von Matt zur Jurorin bestimmt.

Der Erich Fried Preis wird vom österreichischen Bundeskanzleramt – Sektion Kunst | Kultur gestiftet und ist mit 15.000 Euro dotiert. Zu den Preisträger/innen der letzten Jahre zählen Terézia Mora, Thomas Stangl, Nico Bleutge, Rainer Merkel, Judith Hermann, Dorothee Elmiger, Leif Randt und Teresa Präauer.

Bundesminister Gernot Blümel: „Die Erich Fried Gesellschaft hat seit ihrer Gründung im Jahre 1989 mit Weitblick, Erfindungsreichtum und Kreativität die Ideen und die Literatur Erich Frieds beworben, verbreitet und zur Diskussion gestellt. Zusätzlich wirft sie bei Veranstaltungen, Symposien und den Erich Fried Tagen einen Blick auf aktuelle Fragen der Gegenwartsliteratur. Neben all diesen Initiativen ist es wohl eine ihrer schönsten Aufgaben, alljährlich den Erich Fried Preis zu vergeben, der heuer an den renommierten Schweizer Lyriker, Essayisten, Romancier und Übersetzer Ralph Dutli geht. Ich gratuliere dem vielseitigen Schriftsteller, Biographen, Literatur- und Kulturwissenschaftler zum Erich Fried Preis des Jahres 2018 sehr herzlich.“


Ralph Dutli, geboren 1954 in Schaffhausen (Schweiz), studierte Romanistik und Russistik und lebt heute – nach zwölf Jahren in Paris – als freier Schriftsteller in Heidelberg. Er erhielt zahlreiche Preise, u. a. den Johann-Heinrich-Voss-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (2006) und den Düsseldorfer Literaturpreis (2014).

Werke

u. a. Notizbuch der Grabsprüche. Gedichte (2002); Meine Zeit, mein Tier. Ossip Mandelstam. Eine Biographie (2003); Russische Literaturgeschichte, erzählt von Ralph Dutli (Hörbuch, 2003); Novalis im Weinberg. Gedichte (2005); Nichts als Wunder. Essays über Poesie (2007); Liebe Olive. Eine kleine Kulturgeschichte (2009/neu 2013); Fatrasien. Absurde Poesie des Mittelalters (2010); Das Lied vom Honig. Eine Kulturgeschichte der Biene (2012); Soutines letzte Fahrt. Roman (2013); Richard de Fournival: Das Liebesbestiarium. Mit einem Essay von Ralph Dutli (2014); Die Liebenden von Mantua. Roman (2015); Bahnhofskonzert. Das Ossip-Mandelstam-Lesebuch (Hg. 2015); Mandelstam, Heidelberg (2016); Dantes Gesänge – Gerät zum Einfangen der Zukunft (2017); Rutebeuf: Winterpech & Sommerpech. Mit einem Essay von Ralph Dutli (2017); sowie preisgekrönte Übersetzungen u. a. der Werke von Ossip Mandelstam und Marina Zwetajewa

 

Beatrice von Matt, alleinige Jurorin 2018

© Franz Rotenfluh

Geb. 1936, studierte in Zürich, Paris und Cambridge. Sie war Literaturredakteurin der Neuen Zürcher Zeitung. Mitarbeit bei kulturellen Organisationen, u. a. Stiftungsrätin der Schweizerischen Kulturstiftung Pro Helvetia. Mehrere Auszeichnungen, zuletzt critic in residence an der Washington University St. Louis, USA und Johann-Jakob-Bodmer-Medaille der Stadt Zürich.

 

Werke

u. a. Meinrad Inglin. Biographie (1976); Unruhige Landsleute. Anthologie (1980); Lesarten. Essays (1985); Frauen schreiben die Schweiz. Essays (1998); Werner Düggelin. Porträt und Gespräche (2006); Mein Name ist Frisch. Begegnungen mit dem Autor und seinem Werk (2011)


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