Ach! Reden über die Liebe – Rückschau

Wie vor jedem Festival hat die Internationale Erich Fried Gesellschaft auch 2017 einen Aspekt aus dem Leben und Werk des bedeutenden österreichischen Autors Erich Fried (1921–1988) gewählt und zum Festivalmotto bestimmt: In diesem Jahr sind es die zeitlos berührenden, herzzerreißend zarten und frivol verspielten Liebesgedichte Erich Frieds, die Ausgangspunkt und Inspiration für das Festivalprogramm „Ach! Reden über die Liebe“ waren.

Die britische Autorin Jeanette Winterson hielt in diesem Jahr eine fulminante Eröffnungsrede mit dem Titel The World’s First Disruptive Start-up: Ihre Rede wurde zu einem Plädoyer für die subversive, gesellschaftsverändernde, kämpferische Kraft der Liebe.

Neben den bewährten Autor/inn/enlesungen in Originalsprache – mit der deutschsprachigen Übersetzung parallel dazu als Projektion auf Leinwand – war die genreübergreifende Begegnung von Literatur, Graphic Novel, Film und Musik ein bestimmendes und vom Publikum geschätztes Festivalcharakteristikum.

Das Programm konnte mit sechs Österreich-Buchpremieren u. a. aus den Verlagshäusern Hanser, S. Fischer und Suhrkamp aufwarten und internationale Literaturgrößen wie Hanif Kureishi oder den US-amerikanischen Graphic Novel Star Craig Thomspon und die Musikerin Sophia Kennedy erstmals nach Österreich holen.

Die Erich Fried Tage waren mit insgesamt rund 3.000 Besucher/inne/n ausgezeichnet besucht.

Auch das Medienecho war groß: Das Festival war in den ORF-Nachrichtenformaten ZIB 1 und ZIB 13 vertreten, weiters befasste sich der kulturMontag auf ORF III – mit Beiträgen zu Hanif Kureishi, Peter von Matt und Jeanette Winterson – mit dem Festivalthema. Die Hörfunksender Ö1 und FM4 haben ebenso wie die österreichischen Printmedien ausführlich berichtet und last not least wurde die Preisrede der diesjährigen Fried Preisträgerin Teresa Präauer in der Süddeutschen Zeitung abgedruckt.

Mitwirkende: Zsuzsa Bánk (D), Saskia Boddeke (NL), Bianca Burger (A), Mark Z. Danielewski (USA), Ulrike Draesner (D), Oswald Egger (D), Sylvia Geist (D), Sophia Kennedy (USA), Hanif Kureishi (GB), Ulli Lust (A), Clara Luzia (A), Tristan Marquardt (D), Friederike Mayröcker (A), Scott McCloud (USA), Hanne Ørstavik (NOR), Judith Nika Pfeifer (A), Teresa Präauer (A), Franz Schuh (A), Craig Thompson (USA), Bastien Vivès (F), Peter von Matt (CH), Jan Wagner (D), Jeanette Winterson (GB) /
Moderator/inn/en und Gesprächspartner/innen: Thomas Ballhausen, Zita Bereuter, Sebastian Fasthuber, Gottfried Gusenbauer, Günter Kaindlstorfer, Wolfgang Popp, Daniela Strigl, Karl Wagner, Anne Zauner

Nachlese:
In der Sonderausgabe der österreichischen Literaturzeitschrift kolik (Heft Nr. 74, 192 S., Eur 10,-) sind alle Festivalteilnehmer/innen mit eigenen Texten vertreten.


Hinweis:
Alle Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne Einwilligung der Verfasser/innen weder übernommen noch verwendet werden!

Alle Videoclips sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne Einwilligung der Produzentinnen • Alexandra Regl und • Daria Tchapanova weder übernommen noch verwendet werden!

Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne Einwilligung der Fotografen (28. und 29. November 2017 • Lukas Dostal / 30. November, 1. bis 3. Dezember 2017 • Joseph Krpelan)  weder übernommen noch verwendet werden!


Dienstag, 28. November

Literaturhaus Wien Seidengasse 13, 1070 Wien

Jeanette Winterson (GB) The World’s First Disruptive Start-up
Begrüßung Robert Huez (Leiter Literaturhaus Wien)
Julia Danielczyk (Kulturabteilung Stadt Wien)
Grußadresse: Leigh Turner (britischer Botschafter in Österreich)
Einleitung und Gespräch Anne Zauner (künstlerische Leitung Internationales Literaturfestival Erich Fried Tage)

„Ich war im letzten Jahr auf einer Insel, wo die Unterkünfte sehr einfach waren.
Im Bad kam aus dem Heißwasserhahn kaltes und aus dem Kaltwasserhahn heißes Wasser. Die Wanne war ein Plastikkasten mit einem Schlauch, den man an einem der Hähne am Küchenausguss festmachen musste. Die Klospülung hatte eine Kette, an der ZIEHEN stand, was in Wahrheit bedeutete, dass man sich dranhängen musste wie der Glöckner von Notre Dame und zum Lohn einen Viertelliter Meerwasser bekam.
Dieses Badezimmer sah aus wie von jemandem erdacht und ausgeführt, der zwar schon mal was von Badezimmern gehört, aber noch nie eins gesehen oder gar benutzt hatte. Vielleicht hatte man per Zufall irgendwelche Geschichten von irgendwelchen merkwürdigen Räumen aufgeschnappt, die Badezimmer genannt wurden, aber es war schon spät in der Nacht, und man war auf der Durchreise in einer fremden Stadt – konnte auch die Sprache nicht verstehen – und hatte keine Ahnung, was das sein sollte, dieses sogenannte Badezimmer?
Wir kennen alle die alten Holzschnitte und Aquarelle mit Nilpferden, Nashörnern, Krokodilen, Giraffen, gezeichnet und gemalt von Menschen, die keines dieser Tiere je mit eigenen Augen gesehen hatten. Und diejenigen, die sie gesehen hatten – die Seeleute, die Forschungsreisenden, die Sträflinge, die Schwindler -, beschrieben diese Kreaturen, um damit Geld zu verdienen oder zum Vergnügen, erzählten nachts im Bett flüsternd von ihnen, zeigten uns ein Paar Drachenflügel vom Jahrmarkt und versicherten uns, DAS hier sei das Horn von einem Einhorn.
Genauso ist es mit der Liebe – ständig wird von ihr geredet, wird sich gefragt, ob sie tatsächlich echt ist, und sie ist genauso schwer zu fassen.
Die Liebe kommt uns wie ein Fabelwesen vor.”
(Aus Jeanette Wintersons Rede / Übers. von Christa Schuenke)

Mittwoch, 29. November

Filmcasino Margaretenstraße 78, 1050 Wien

The Greenaway Alphabet

Saskia Boddeke The Greenaway Alphabet (Dokumentarfilm, 68 min, 2017)
Einleitung und Gespräch Thomas Ballhausen (Filmexperte und Autor)

Boddeke brachte The Greenaway Alphabet mit, ihren jüngsten Dokumentarfilm (wiewohl sie sich diese schubladisierende Bezeichnung verbietet), darin zu sehen: Peter in Gespräch, Streit und Aktion mit Tochter Pip (die über die Drehzeit von zwei Jahren zu einem starken Charakter wuchs, eine Entwicklung, die aufmerksamen Zuseher*innen nicht entgeht). Der Film, der Vater und Kind von A wie Alphabet und D wie Death über L wie Light etc. markante Begriffe des Greenaway-Kosmos diskutieren lässt, während die Mutter hinter der Kamera dirigiert, ist ein beeindruckendes Zeugnis dreier Künstlerleben.
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)

Donnerstag, 30. November

Literaturhaus Wien Seidengasse 13, 1070 Wien

Österreich-Buchpremiere 1

Peter von Matt (CH) Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur (Hanser, 2017)
Einleitung & Gespräch Karl Wagner (Germanist und Literaturwissenschaftler)

Von Matt kam auf einen wichtigen Punkt zu sprechen, nämlich, dass die literarische Sprache im Versuch, das Phänomen der Liebe zu fassen, dazu neigt, ins Religiöse abzudriften. Dies wird im Essay zu Gottfried Keller deutlich bzw. zu dessen Roman Der grüne Heinrich. In seinen Anmerkungen zu Gottfried Keller Her kommt der Tod, die Zeit geht hin schreibt W. G. Sebald, dass „Kellers Prosa, die doch bedingungslos allem Lebendigen zugetan ist, ihre staunenswertesten Höhepunkte gerade dort erreicht, wo sie an den Rändern der Ewigkeit entlangführt. Wer sich dahinbewegt auf ihrer schönen, Satz für Satz vor uns aufgerollten Bahn, der spürt immer wieder mit Erschauern, wie abgrundtief es zu beiden Seiten hinuntergeht, wie das Tageslicht manchmal schon schwindet vor den von weit draußen hereinziehenden Schatten und oft beinah erlischt unter dem Anhauch des Todes.“
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)


Österreich-Buchpremiere 2

Zsuzsa Bánk (D) Schlafen werden wir später (S. Fischer, 2017)

Hanne Ørstavik (NOR) Kjærlighet (dt. Übers. Liebe von Irina Hron / Karl Rauch, 2017)
Einleitungen & Gespräch Günter Kaindlstorfer (Journalist und Autor)
Übersetzung aus dem Norwegischen Irina Hron

Zsuzsa Bánk las aus ihrem Roman Schlafen werden wir später, der von der tiefen Freundschaft zweier Frauen handelt, die einander – durch ihre Wohnsitze räumlich getrennt – in E-Mail-Briefen „radikal subjektiv“ begegnen.
Die norwegische Autorin Hanne Ørstavik beeindruckte mit ihrem erstmals auf Deutsch erschienenen Schlüsselroman Liebe, einer fein gesponnenen Mutter-Sohn-Geschichte.
Dem souveränen Morderator Günter Kaindlstorfer gelang es im Gespräch mit den Autorinnen, den gemeinsamen Nenner – die Sehnsucht nach Liebe – aus den  beiden doch sehr unterschiedlichen Romanen herauszuarbeiten.


Erstmals in Österreich

Hanif Kureishi (GB) Love + Hate. Stories and Essays (Faber & Faber, 2015) | The Nothing (Faber & Faber, 2017)
Einleitung & Gespräch Wolfgang Popp (Autor und Journalist)

Kureishi kam auf etwas zu sprechen, dass sich in den folgenden Tagen als wichtiger Bezugspunkt erweisen sollte: Das libidinöse Schreiben. In einem zunehmend lockeren, gewitzten Gespräch, das von seinem neuen Essay-Band Love + Hate ebenso handelt wie von der realen Vorgabe für The Nothing (nämlich er selbst und seine eingestandene Angst davor, mit zunehmenden Alter an Virilität einzubüßen), erzählte er vom abgekapselten, einsamen Schreiben, in dem sich der Großteil eines Autorenlebens abspielt; das auf sich selbst zurückgeworfene Werken in einer Stille, in der die Außenwelt höchstens durchs WWW oder Radionachrichten greifbar wird.
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)

Freitag, 1. Dezember

Literaturhaus Wien Seidengasse 13, 1070 Wien

Solokonzert Clara Luzia / Zehn Minuten Liebeslyrik: Jan Wagner, Oswald Egger, Friederike Mayröcker

Für je zehn Minuten suchten Jan Wagner, Oswald Egger und Friederike Mayröcker auf drei unterschiedliche poetische Weisen dem Phänomen Liebe beizukommen. Egger mit einer hakenschlagenden Gedichtrezitation, die die im Text eingewobenen, feinen Rhythmen hörbar machte (überhaupt schien Egger sich in bestechender Form zu präsentieren, eine Vermutung, die sich im weiteren Verlauf des Abends (s. u.) bestätigen sollte); Mayröcker mit neuen, in der aktuellen kolik nachzulesenden Liebesgedichten, die, als wiederkehrendes Element ihres beeindruckenden lyrischen Kosmos‘, mitunter an E.J. gerichtet waren und deren aufblitzender Schmäh dem zahlreichen Publikum nicht entging, das seinerseits aus großteils jungen Menschen bestand und Mayröcker mit Jubelrufen bedachte; Jan Wagner, jüngst mit dem Büchnerpreis geehrt, mit Kostproben seiner Achtzehn Pasteten, seinem dritten Lyrikband, bei Erscheinen 2007 etwa von Jochen Jung als „herrliche Drecksarbeit“ gelobt, da ihm Wagners Virtuosität im Umgang mit klassischen Gedichtformen bereits ins Auge stach.
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)


Österreich-Buchpremiere 3

Tristan Marquart, Jan Wagner (Hg.) Unmögliche Liebe. Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen. Zweisprachige Ausgabe (Hanser, 2017)
Es lasen die Autor/inn/en des Bandes Ulrike Draesner, Oswald Egger, Sylvia Geist
Einleitung & Gespräch mit den Herausgebern Daniela Strigl (Literaturkritikerin und Literaturwissenschaftlerin)

Das Podium teilten sich die beiden Herausgeber mit Ulrike Draesner, Sylvia Geist und Oswald Egger, das Gespräch förderte interessante Details zu Tage, etwa dass Minnesang zwar die verklärende, unerreichbare Liebe zum Inhalt hatte, jedoch im Grunde ein knallhartes Geschäft war: Es galt, bei Hof zu bestehen, das Publikum und allen voran die weltlichen Würdenträger zu überzeugen – nicht unähnlich also Goltzius in Greenaways zwei Tage zuvor gezeigtem Film.
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)


Erstmals in Österreich – Sophia Kennedy

Wie sich mit einer gesunden Portion Pathos großartige Musik machen lässt, zeigte zum Abschluss des vierten Festivaltages Sophia Kennedy in einem Konzert samt zweimaliger Zugabe. Keyboards und düster wummernde Beats, dazu Kennedys von Liebesleid bis Femme Fatale reichendes Stimmregister ergaben ein mitreißendes Schau- und Hörstück.
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)

Samstag, 2. Dezember

Literaturhaus Wien Seidengasse 13, 1070 Wien


Österreich-Buchpremiere 4

Scott McCloud (USA)   The Sculptor (dt. Der Bildhauer, übers. v. Jan-Frederik Bandel, Carlsen, 2015)
Einleitung & Gespräch Zita Bereuter (Leiterin des Literaturressorts bei FM4)

Wie schon 2013, als Scott McCloud erstmals zu Gast beim Erich-Fried-Festival war, reichte die Schlange jener, die von McCloud oder Bastien Vivès ein Autogramm wollten, beinah bis auf die Straße – die Begeisterung der hiesigen Graphic Novel Szene hält ungebrochen an.
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)


Erstmals in Österreich – Bastien Vivès

Einleitung & Gespräch  Gottfried Gusenbauer (Direktor Karikaturmuseum Krems) 

Den nächsten Auftritt bestritt Bastien Vivès, „der als Wunderkind der ohnehin sehr reichhaltigen französischen Comiclandschaft gehandelt wird. Er ist bekannt für seine eigenwilligen, stilistisch und inhaltlich variantenreichen Erzählungen wie Der Geschmack von Chlor, In meinen Augen, Polina und – zum Festivalthema passend – Die Liebe.“
Aus: derstandard.at/2000068828319/Graphic-Novel-Autoren-Die-Liebe-der-letzten-Tage


Erstmals in Österreich – Craig Thompson

Vor vollem Haus gab auch Craig Thompson im Gespräch mit Florian Höllerer Beweg- und Hintergründe zu seinen Bänden Blankets und Habibi preis – Werke über Liebe, Verlangen und besonders über Einsamkeit, Werke wiederum, die für Thompson selbst „therapy in real-time“ sind, aber: „It doesn‘t necessary fix anything.“
Zur Darlegung seiner Arbeitsweise verwies er auf Hanif Kureishi: Das libidinöse Schreiben, von dem Kureishi sprach, bedeute in seinem Fall ein äußerst sinnliches Zeichnen. Jedes Detail etwa des an Details nicht armen, u. a. die arabische Schriftkunst adaptierenden Bandes Habibi schuf er per Hand, ein meditatives, exaktes Arbeiten, das erst im finalen Schritt auf die Unterstützung durch einen Computer zurückgriff.
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)


Österreich-Buchpremiere 5

Ulli Lust  Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein (Suhrkamp, 2017)
Einleitung & Gespräch   Zita Bereuter (Leiterin des Literaturressorts bei FM4)

Lust zeigt in ihrem neuesten Band eine libertinäre Herangehensweise an die Liebe, nämlich eine Menage-à-trois, die sie mit Freund und Liebhaber führte, bis diese im Grunde ansprechende Lebens- und Liebesform in Gewalt und Eifersucht verendete.
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)


Österreich-Buchpremiere 6

Mark Z. Danielewski  The Familiar (Pantheon, ab 2015) und flugschrift: special edition
Einleitung und Gespräch Sebastian Fasthuber (Literatur- und Musikkritiker)

Denkmuster sprengend präsentierte sich der finale Akt dieses Abends: Mark Z. Danielewski, von Sebastian Fasthuber vorgestellt und Verfasser u. a. von House of Leaves – sowie Kreativkopf hinter der neuen flugschrift, die eine weitere Brücke zum aktuellen Mammutprojekt schlägt und eine Katze in ihren eigenwilligen, felidae-geprägten Nachthimmel blicken lässt. Die Liebe zu einem solchen Tier, ihr Verschwinden, und welche verworrenen Entwicklungen die Suche nimmt, unter anderem davon handelt The Familiar – ein auf 27 Bände angelegtes Werk, neuester, megalomanischer Streich Danielewskis. Im Halbjahrestakt sind bisher fünf Bände erschienen, den Handlungsbogen bis hin zum letzten Band, der in mehr als zehn Jahren erscheinen wird, hat der US-Amerikaner im Groben bereits ausgetüftelt.
(Aus dem Festivalblog von Robert Prosser)

Sonntag, 3. Dezember

Literaturhaus Wien Seidengasse 13, 1070 Wien

Verleihung des Erich Fried Preises 2017 an Teresa Präauer

Grußworte Robert Huez (Leiter Literaturhaus Wien), Jürgen Meindl (Leiter der Kunst- und Kultursektion im Bundeskanzleramt)
Vorstellung Juror Klaus Amann (Präsidiumsmitglied der Internationalen Erich Fried Gesellschaft)
Laudatio Franz Schuh
Rede Teresa Präauer

Die österreichische Autorin und bildende Künstlerin Teresa Präauer ist seit 3. Dezember 2017 die mittlerweile 28. Trägerin des Erich Fried Preises. Anlässlich der Preisverleihung in der Bibliothek des Literaturhauses Wien hielt sie eine Dankesrede, die sich mit einem Bild der US-amerikanischen Porträtmalerin Elizabeth Peyton beschäftigte. Sie sprach von „Ken, Nick, den Posen der Jugend und der Peinlichkeit früherer Lektüren“; die Rede ist in der Süddeutschen Zeitung vom 9./10. Dezember 2017 erschienen.

Der Erich Fried Preis wird seit 1990 auf Vorschlag eines jährlich wechselnden, autonom entscheidenden Jurors/einer Jurorin vergeben. Dieser Modus ist dem Verfahren nachgebildet, das auch bei der Vergabe des Kleist Preises angewendet wird, für den schon 1912 galt: „Mehrheiten einigen sich erfahrungsgemäß auf die brave – oder öfter noch unbrave – Durchschnittsbegabung, die es allen annähernd recht macht. Nur ein einzelner kann sich rücksichtslos für das Außerordentliche einsetzen; nur ein einzelner ist auch imstande, die volle Verantwortung dafür zu tragen, besonders vor dem Urteil der Zukunft. In einer Jury verschwindet jeder hinter dem breiten Rücken der Mehrheit.“

Der Erich Fried Preis wird nicht für ein Lebenswerk vergeben – so hat es die Internationale Erich Fried Gesellschaft im Jahr 2010 präzisiert –, sondern soll an Schreibende jüngerer Jahrgänge gehen, die noch eine, hoffentlich große literarische Zukunft vor sich haben. Die Internationale Erich Fried Gesellschaft hat sich im Mai 2017 für den österreichischen Schriftsteller und Essayisten Franz Schuh als alleinigen Juror entschieden und dieser wiederum bestimmte im August 2017 Teresa Präauer zur Erich Fried Preisträgerin.