KEINE | ANGST

Literarische Schreckensbilder und Strategien der Angstüberwindung

Wer hat Angst vorm bösen Wolf? … vorm Fliegen? … vor Virginia Woolf? Was ist das Gegenteil von Angst? Laut Søren Kierkegaard kann Angst erschließen, was es bedeutet, Mensch zu sein, und die Möglichkeit von Freiheit eröffnen. In den Internetforen werden dagegen ideologische Angstfeuer geschürt.

Das Internationale Literaturfestival Erich Fried Tage befasst sich in diesem Jahr mit dem hoch emotionalen und komplexen Thema Angst und möglichen Strategien der Angstüberwindung. Mehr als 20 internationale Autor/inn/en aus 14 Ländern treten von 26. November bis 1. Dezember 2019 im Literaturhaus Wien auf, um Antworten zu finden, Fragen zu erörtern und mit dem Publikum zu diskutieren.

DAS FESTIVAL-PROGRAMM IM ÜBERBLICK

© Jonathan Ring

26.11.2019 / Keynote
Die vielfach ausgezeichnete britische Autorin • Aminatta Forna hält die Festival-Keynote mit dem Titel Why the World Needs New Stories
Als kleines Mädchen war Angst ihr ständiger Begleiter im vom Staatsterror geprägten postkolonialen Sierra Leone, und sie musste schon in jungen Jahren Strategien der Angstüberwindung finden. Nachdem ihr politisch engagierter Vater hingerichtet worden war, gelang die Flucht nach Großbritannien, Fornas zweite Heimat – eindrücklich nachzulesen in ihrem Memoir The Devil that Danced on the Water (2002).

© Blue Flower Arts

27.11.2019 / Schwerpunkt Prosa & Lyrik
Wie fast alle Festivalgäste kommt die US-amerikanische Dichterin mit jamaikanischen Wurzeln • Claudia Rankine erstmals nach Österreich. Ihr epochales Werk Citizen: An American Lyric – ein poetisches Langgedicht zu den Themen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt – wurde bei seinem Erscheinen 2014 von der amerikanischen Presse als literarische Sensation gefeiert.
An diesem Tag stellt die syrische Autorin • Dima Wannous aus ihren erschütternden Roman Die Verängstigten (Karl Blessing 2018) vor.

© Shin Hyoung Duk

28.11.2019 / Schwerpunkt Krimi & Thriller
Der irische Bestsellerautor • John Connolly führt in die abgründige Welt seiner Charlie-Parker-Reihe ein. • Joseph Incardona (CH) präsentiert seinen viel gelobten Roman noir Asphaltdschungel (Lenos 2019). • Jeong Yu-jeong, Südkoreas bedeutendste Thrillerautorin, zeichnet in Der gute Sohn (Unionsverlag 2019) das beklemmende Psychogramm einer Mutter-Sohn-Beziehung.

29.11.2019 / Schwerpunkt Debatten
An diesem Tag stehen zwei hochkarätig besetzte Debatten auf dem Programm.

Im Rahmen der Gesprächsrunde „Angst und Angstmache“ präsentieren • Jörg-Uwe Albig (D) seinen satirischen Roman Zornfried (Klett Cotta 2019) und • Sherko Fatah (D/IRQ) sein neues Werk Schwarzer September (Luchterhand 2019). Die beiden Autoren diskutieren mit der österreichischen Extremismus- und Terrorismusforscherin • Julia Ebner.

„Angst und Gesellschaft“, die zweite Gesprächsrunde, beginnt mit einem Kurzvortrag der deutschen Philosophin • Ariadne von Schirach (Die psychotische Gesellschaft. Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden, Tropen 2019). In einer Preview liest • Josef Haslinger (A) erstmals aus seinem autobiografischen Bericht Mein Fall über den Kindheitsmissbrauch durch katholische Patres (S. Fischer, Jänner 2020). Dritte Gesprächsteilnehmerin ist • Kathrin Röggla (A/D), die zuletzt Anfang 2019 das Thema „Angst“ für ihr Ausstellungsprojekt Der Elefant im Raum an der Berliner Akademie der Künste bearbeitet hat.

In der Übersetzer/innen-Werkstatt „Der gläsernen Übersetzer“ befassen sich • Ali Abdollahi (IRN), Aurélie Maurin (F), Valentina Di Rosa (I) und Arild Vange (Nor) mit Angstgedichten von Erich Fried – anhand ihrer Übertragungen ins Persische, Französische, Italienische und Norwegische.

Selbstporträt © Joe Sacco
Selbstporträt © Chris Ware

30.11.2019 / Schwerpunkt Graphic Novel
Vier Österreich-Premieren mit einzigartigen Comic-Künstler/inne/n aus Deutschland, Kanada und den USA werden am Graphic Novel Tag geboten.

Olivia Vieweg, deren Zombie-Geschichte Endzeit (Carlsen 2018) von Presse und Publikum gefeiert wurde, bringt ihren neuen Band Antigone (frei nach Sophokles) nach Wien, der in der Carlsen-Reihe Die Unheimlichen erscheint. • Emily Carroll, die Queen des Horror Comic, zeigt ihr neues Album When I Arrived at the Castle (Koyama Press 2019). • Joe Sacco, der unbestrittene Meister der Comic-Reportage (u. a. Palestine oder Safe Area Gorazde), präsentiert einen Querschnitt seiner Arbeiten und spricht über aktuelle Projekte. • Chris Ware, für viele der stilprägendeste Comic-Künstler der Gegenwart, hat nach Building Stories (2012) – eine Arbeit, die aus vierzehn Comics in verschiedenen Größen besteht: von DIN-A2-Zeitungen über aufwendig gebundene Bücher bis hin zum zusammengefalteten losen Blatt – soeben sein neues Werk veröffentlicht: Rusty Brown, Part I ist seine innovativste Arbeit bisher, ein interaktives Spiel mit Zeit und Raum, mit unterschiedlichen Bewusstseinsebenen und Realitäten.

© Friederike Luedde

1.12.2019 / Erich Fried Preis 2019
Zum Abschluss des Festivals wird der Erich Fried Preis 2019 an • Steffen Mensching verliehen – so hat es der deutsche Autor • Christoph Hein, alleiniger Juror in diesem Jahr, entschieden: „Mit seinem Roman Schermanns Augen gelang es Steffen Mensching, einen Roman zu schreiben, der die erste Häfte des zwanzigsten Jahrhunderts erfasst und genauestens zu benennen vermag. […]
Es ist nicht weniger als ein Jahrhundertroman.

AUSSTELLUNG
KEINE | ANGST vor der Angst

Ein besonderer Programmpunkt in diesem Jahr ist die Festivalausstellung. Erstmals wurden die Mitglieder der Internationalen Erich Fried Gesellschaft gebeten, Beiträge für eine Ausstellung zur Verfügung zu stellen und sie sind dem Aufruf zahlreich gefolgt. So können 25 Exponate von u. a. Lukas Bärfuss,Sabine Gruber,Josef Haslinger,Elfriede Jelinek,Friederike Mayröcker,Rainer Merkel,Teresa Präauer,Kathrin Röggla und Robert Schindel gezeigt werden, die von der Darstellung persönlicher Angstmomente bis zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema reichen.
Das detaillierte Ausstellungsprogramm wird Ende Oktober 2019 bekannt gegeben.