Freitag, 1. April 2022

Literaturhaus Wien Zieglergasse 26a, 1070 Wien

15:00 Uhr

Lyrikschwerpunkt

Max Czollek, Foto © Konstantin Börner

wo die unglücklichen nicht

mehr weinen wir einfach

weiterschreiben –

PROLOG: Max Czollek im Gespräch mit Teresa Präauer
Der deutsche Autor, Publizist und Verfechter einer radikal pluralistische Gesellschaft Max Czollek hat im Auftrag des Festivals einen Lyrikschwerpunkt mit unterschiedlichen poetischen Positionen kuratiert.

Die Autorin Teresa Präauer – von ihr stammt das Motto des Festivals – spricht mit ihm über literarisches Engagement und politische Lyrik sowie über Fragen von Gegenwartsbewältigung und nötige Veränderungen.

Es folgen AUFTRITTE von:
Ricardo Domeneck (Brasilien/Deutschland)
Barbara Juch (Österreich)
Adi Keissar (Israel)
Ronya Othmann (Deutschland)

Ricardo Domeneck, Foto © Paul Mecky
Barbara Juch, Foto © Alice Peterhans
Adi Keissar, Foto © Yael Brandt
Ronya Othmann, Foto © Cihan Cakmak

Lesungen in den Originalsprachen mit Handouts der deutschen Übersetzungen


Max Czollek, geb. 1987 in Berlin, wo er am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin promovierte. Bei Hanser erschienen Desintegriert euch! (2018) sowie Gegenwartsbewältigung (2020), zwei viel besprochene Manifeste für eine radikale Vielfalt. Er hat drei Lyrikbände im Verlagshaus Berlin veröffentlicht, zuletzt Grenzwerte (2019), ist Mitglied des Lyrikkollektivs G13 und Mitherausgeber des Magazins Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart. Neben seiner Lehrtätigkeit und der Arbeit fürs Theater ist er 2022 Kurator einer Ausstellung zur Kulturgeschichte jüdischer Rache im jüdischen Museum Frankfurt am Main. Unter dem Titel Lieder erscheint im April 2022 die von ihm herausgegebenen Zeitschrift Akzente 1/22, welche nach der Aktualität des Kunstlieds für die zeitgenössische Lyrik, Gesang und Musik fragt.

Ricardo Domeneck, geb. 1977 in Bebedouro, São Paulo (Brasilien), lebt und arbeitet als Schriftsteller, Übersetzer und Literaturvermittler in Berlin. Er veröffentlichte bislang neun Gedichtbände und zwei Prosabände in Brasilien und ist Herausgeber verschiedener Magazine, aktuell etwa der literarischen Zeitschrift Peixe-boi, in der Prosa und Lyrik brasilianischer Autor*innen erscheint. Er gilt als Repräsentant einer Lyrik, die Lesung und Performance verbindet, und hat diese auf Lesungen und Festivals weltweit vorgestellt sowie in Zeitschriften und Anthologien u. a. in Deutschland, den USA, Spanien und Argentinien veröffentlicht. Er arbeitet immer wieder interdisziplinär und mit Künstler*innen unterschiedlicher Gattungen. Sein zweisprachiger Auswahlband Körper: ein Handbuch. ist 2013 im Verlagshaus Berlin erschienen.

Barbara Juch, geb. 1988 in Klagenfurt und aufgewachsen in Ferlach/Borovlje, lebt in Wien. Sie studierte amerikanische Literatur an der Universität Wien, war Fulbright Stipendiatin an der State University New York und absolvierte das Masterstudium Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien. Barbara Juch schreibt Lyrik, Essays und fürs Theater, singt im queer-feministischen Konzeptchor Mala Sirena und fährt in der Rennradgruppe Skinny Devils. Zusammenarbeiten u. a. mit dem Filmkollektiv Hekate, dem Studio HDS59 und dem Theater Waltzwerk Klagenfurt. Zuletzt erarbeitete sie mit der Regisseurin Claudia Bossard die Romanadaption Making a Great Gatsby für das Schauspielhaus Graz. Ihr Lyrikdebüt BARBARA erschien 2020 im Verlagshaus Berlin.
barbjuch.com

Adi Keissar, geb. 1980 in Jerusalem (Israel), ist eine Lyrikerin, Herausgeberin und Journalistin jemenitischer Herkunft, die heute in Tel Aviv lebt. Sie hat das bekannte Poesieprojekt Ars Poetica gegründet, welches orientalisch-jüdische Kultur mit Lyrik und Spoken Word zu einem poetischen Fest verbindet. Ihr erstes Buch Schwarz auf Schwarz (2014) wurde mehrfach ausgezeichnet. Ihr zweiter Band Loud Music ist 2016 erschienen, der aktuellste Band Chronicles 2018. Seit 2017 finden sich ihre Gedichte im Curriculum des israelischen Bildungsministeriums. Ihre Texte wurden in zehn Sprachen übersetzt und in Anthologien und Zeitschriften weltweit abgedruckt. Die israelische Tageszeitung Haaretz erklärte sie zur einflussreichsten israelischen Dichterin der Gegenwart.

Ronya Othmann, geb. 1993 in München, lebt als Autorin in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studiert hat. Ein Teil ihrer Familie ist kurdisch-jesidischer Herkunft und stammt aus Syrien. Ronya Othmann macht sich sowohl in ihren literarischen als auch in ihren journalistischen Texten immer wieder stark für politische Belange. Ihr Romandebüt Die Sommer (2020) sowie der Gedichtband die verbrechen (2021) erschienen bei Hanser und erzählen vom Leben „zwischen allen Konventionen und Kulturen“. Sie erhielt u. a. den MDR-Literaturpreis, den Caroline-Schlegel-Förderpreis für Essayistik, den Lyrikpreis des Open Mike und den Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs.
ronyaothmann.com

17:00 Uhr

Teresa Präauer im Gespräch mit Ricardo Domeneck und Ronya Othmann

Teresa Präauer, Foto © Thomas Langdon

  Teresa Präauer führt ein weiteres Gespräch mit Ricardo Domeneck und Ronya Othmann: Den beiden Autor*innen gelingt es mit unterschiedlichen poetischen Mitteln, gesellschaftliche Debatten anzustoßen. Darüber hinaus schreibt Ronya Othmann seit 2021 für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung die Kolumne Import Export, während Ricardo Domeneck sprachgewaltig  Kritik an Brasiliens rechtspopulistischem Präsidenten Jair Bolsonaro äußert.

18:00 Uhr

Sasha Filipenko: „Die Jagd“

deutschsprachige Buchpremiere

Sasha Filipenko, Foto Lukas Lienhard © Diogenes Verlag

Es beginnt eine Jagd. Eine richtige Jagd.

Buchpräsentation & Gespräch
Sasha Filipenko (Belarus): Die Jagd (Trawlja, Wremja 2016 | aus dem Russischen von Ruth Altenhofer, Diogenes 2022)
Moderation: Günter Kaindlstorfer (Kulturjournalist und Autor)
Dolmetschung:  Mascha Dabić.

„Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich zeigen wollte, dass Mord nicht die einzige Art ist, auf Journalisten Druck auszuüben. Reporter rücken in den Fokus, wenn sie ermordet werden, aber wenn sie jahrelang buchstäblich in den Wahnsinn getrieben werden, kräht kein Hahn danach.“ (Sasha Filipenko). Der derzeit im Schweizer Exil lebende weißrussische Autor erzählt in seinem druckfrischen Roman – nah an der Realität – die Geschichte des idealistischen Journalisten Anton Quint, der sich mit einem Oligarchen anlegt. Worauf dieser den Befehl gibt, Quint fertigzumachen.

Lesung auf Russisch mit deutscher Übersetzung als Projektion auf Leinwand | Gespräch auf Russisch mit Dolmetschung



In Kooperation mit Stadt Wien – Büchereien | Hauptbücherei


Sasha Filipenko, geb. 1984 in Minsk, studierte nach einer abgebrochenen klassischen Musikausbildung in St. Petersburg und New York City Literatur, da die Universität in Minsk zwangsweise geschlossen worden war. Er arbeitete in Russland als Journalist und als Drehbuchautor, Gag-Schreiber und Moderator für Satiresendungen im Fernsehen. Seine fünf bisher erschienenen Romane wurden in zwölf Sprachen übersetzt und schon das Debüt Der ehemalige Sohn (2014, dt. 2021) wurde mehrfach ausgezeichnet. Das Buch ist in Belarus mittlerweile verboten und Filipenko, der unter anderem literarisch harsche Kritik an den Machtverhältnissen in Belarus übt, lebt mit seiner Familie im Exil. 2022 führt ihn ein Stipendium in die Schweiz, wo bei Diogenes der neue Roman Rückkehr nach Ostrog in Vorbereitung ist.

20:00 Uhr

Phil Klay: „Den Sturm ernten“

europäische Buchpremiere

Phil Klay, Foto © Hannah Dunphy

… a Chinese-made drone hovering over a funeral in Yemen, communicating with an Emirati pilot over a Swedish communications network to help him drop an American-supplied bomb on a Houthi tribesman. – This is no flight of fancy on my part. It is how we kill these days.


Buchpräsentation & Gespräch
Phil Klay (USA): Den Sturm ernten (Missionaries, Penguin Press 2020 | aus dem amerikanischen Englisch von Hannes Meyer, Suhrkamp 2021)
Moderation: Sebastian Fasthuber (Literatur- und Musikkritiker)

Der Roman von Phil Klay reicht bis in die 80er-Jahre zurück, als der bewaffnete Konflikt und auch die mit dem Drogenhandel verbundene Gewalt Kolumbien zerreißt, und endet im Jahr 2016, als die Kolumbianer über den Friedensvertrag abstimmen, den die Regierung mit den Rebellen ausgehandelt hat. Die vier Hauptcharaktere in Klays Buch – ein Mitglied der US-Special-Forces, eine Journalistin, ein Patriot und ein Paramilitär – versuchen, auf der Seite des Rechts zu kämpfen und scheitern letztendlich am Traum vom guten Krieg . Das „hochbrisante politische, ja weltpolitische Werk“ (SWR Bestenliste) wurde von der Kritik als ein Schlüsselwerk über die Zerstörungskraft der modernen globalisierten Kriegsführung gefeiert. 

Lesung auf Englisch mit deutscher Übersetzung als Projektion auf Leinwand | Gespräch auf Englisch


Phil Klay, geb. 1983 in White Plains, NY, USA, ist Absolvent des Dartmouth College und Veteran des U.S. Marine Corps. Dort diente er von 2007 ein Jahr lang als Presseoffizier im größten irakischen Gouvernement Al-Anbar, wo auch das durch den Folterskandal international bekannt gewordene Gefängnis Abu Ghraib liegt. Nach seinem Einsatz und dem Abschluss eines MFA arbeitete er als Assistent für den amerikanischen Schriftsteller Richard Ford und unterrichtet heute selbst kreatives Schreiben an der Fairfield University. Sein 2014 veröffentlichtes Debüt Wir erschossen auch Hunde mit Erzählungen aus dem Irak-Krieg wurde mit dem National Book Award ausgezeichnet, zahlreiche Nominierungen und Preise folgten. Er publiziert in Zeitschriften und Magazinen, zuletzt u. a. im Commonweal und im American Affairs Journal.
philklay.com

22:00 Uhr

Best-of Ernst Molden

Konzert

Ernst Molden, Foto © Daniela Matejschek

i draam vo aana neichn zeid

Der österreichische Liedermacher und Schriftsteller Ernst Molden – der „Leonard Cohen Wiens“ (Falter) – kann aus einem reichen Fundus schöpfen, denn seit den frühen 90er-Jahren sind zahlreiche Musikstücke aus seiner Feder geflossen. Im Rahmen des Festivals tritt Ernst Molden solo und nur von seiner Gitarre begleitet auf. Er präsentiert eine Auswahl von meist im Wiener Dialekt – „Wienerisch ist musikalischer als Hochdeutsch“ (Ernst Molden) – geschriebenen Songs: angefangen bei Balladen bis hin zu Blues- und Rocknummern.


Ernst Molden, geb. 1967 in Wien. Nach diversen Brotberufen lebt er seit 1993 als freier Dichter, Liedermacher, Sänger und Gitarrenspieler in Wien.
Die Oberösterreichischen Nachrichten nannten Molden den „herausragenden österreichischen Liedermacher der Gegenwart“. Der Künstler tritt in verschiedener Besetzung auf: solo oder mit seinem engsten musikalischen Partner Walther Soyka, dem Großmeister der Wiener Knöpferlharmonika, im Quartett mit Willi Resetarits, Walther Soyka und Hannes Wirth, im Duo mit dem Nino aus Wien oder Hans Theessink, mit Ursula Strauss oder großer Band. Als erster österreichischer Musiker ausgezeichnet mit dem deutschen Liederpreis,  2017 folgte ein Amadeus – Austrian Music Award. Im Frühjahr 2022 bereitet Molden mit einer Reihe von prominenten Mitwirkenden ein Album zu Sagen und Mythen vor.

Literaturhaus Wien

Zieglergasse 26a, 1070 Wien