Mittwoch, 27. November 2019

Literaturhaus Wien Zieglergasse 26A, 1070 Wien

18:00 Uhr

Die Angstmaschine

Ausstellungsbeitrag

Eines der bemerkenswertesten Ausstellungsexponate hat der deutsche Autor Rainer Merkel (Stadt ohne Gott, S. Fischer 2018) in Zusammenarbeit mit Claudius Lazzeroni (Professor für Interfacedesign an der Folkwang Universität der Künste) beigesteuert:

Die Angstmaschine.
Servomotoren, Infrarotsensor, elektronische Schaltungen, Körperschallwandler, diverse Stimmen

Aus dem Logbuch zur Angstmaschine:
„Das größte Geschenk, was man einer Maschine machen kann. Ihr etwas zu geben, auf das sie keine Antwort hat.“
„Ist das der Ausgangspunkt?“

Literarisch-musikalische Präsentation:  Rainer Merkel (D) &
 Claudius Lazzeroni (D) 

Rainer Merkel, geb. 1964 in Köln. Studium der Psychologie und Kunstgeschichte. Von 2008 bis 2009 arbeitete er für Cap Anamur im einzigen psychiatrischen Krankenhaus Liberias. Sein Debütroman Das Jahr der Wunder (2001) wurde mit dem Preis der Jürgen Ponto-Stiftung ausgezeichnet. Im S. Fischer Verlag erschienen die Romane Lichtjahre entfernt (2009) – auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis –, Bo (2013), Stadt ohne Gott (2018) sowie die Reportagen Das Unglück der anderen. Kosovo, Liberia, Afghanistan (2012) und Go Ebola Go. Eine Reise nach Liberia (2014). 2013 wurde Rainer Merkel mit dem Erich Fried Preis ausgezeichnet. Lebt in Berlin.

Claudius Lazzeroni, geb. 1965 in München. Als ausgebildeter Fotograf, diplomierter Medienkünstler und Creative Director von Pixelpark setzte er sich bei vielen Unternehmen wie Oetker, Langnese oder Mannesmann für ein neues multimediales Verständnis ein. Sein eigenes Unternehmen „im stall“ galt für einige Jahre als Anziehungspunkt für Persönlichkeiten zwischen Kunst und Kommerz. Seit 1999 ist er als Professor für Interfacedesign an der Folkwang Universität der Künste zuhause. Seine Passion ist die Lehre der Gestaltungsgrundlagen in der von ihm aufgebauten elektromechanischen Werkstatt und die Entwicklung seiner Solographen. Lebt in den Pyrenäen und in Langenberg. 

19:15 Uhr

Dima Wannous

© Richard Sammour
ERSTMALS IN ÖSTERREICH

Mein Herz begann mit seiner verfluchten Raserei.

Schauplatz des Romans ist Syrien unter der Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad.  Angst und Misstrauen beherrschen das Leben der Bevölkerung, denn die staatliche Willkür kann jeden treffen.  Mit großer Eindringlichkeit zeichnet Dima Wannous das Bild einer von gesellschaftspolitischen Wirren und später von Krieg beschädigten Gesellschaft. In der Kritik vom Deutschlandfunk heißt es sogar, die Protagonistin Sulaima sei die „Angst selbst“.

Buchpräsentation & Gespräch
 Dima Wannous (SYR/GB): al-Khaifoun (dt. Die Verängstigten, Übersetzerin: Larissa Bender, Karl Blessing 2018)
Moderation:  Peter Zimmermann (Journalist und Autor)

Lesung auf Arabisch mit deutscher Übersetzung als Projektion auf Leinwand | Gesprächsdolmetscherin: Magda Assem

Dima Wannous, geb. 1982 in Damaskus, Syrien, als Tochter des politischen Dramatikers Saadallah Wannous. Studierte Französische Literatur an der Universität Damaskus und an der Sorbonne in Paris, weiters in Lyon Übersetzungswissenschaft. Anschließend lebte Wannous in Beirut und arbeitete für diverse Print-, Online- und Rundfunkmedien, darunter die Tageszeitungen Al-Hayat, As-Safir und das libanesische Online-Magazin Al-Modon. 2007 erschien die Kurzgeschichtensammlung Tafâsîl (dt. 2014). Ihr erster Roman Al-Khaifoun (2007, dt. 2018) war auf der Shortlist der LitProm-Bestenliste vertreten. 2018 erreichte die Autorin auch die Shortlist des Internationalen Preises für arabische Literatur. Wannous lebt derzeit in London.

20:30 Uhr

Claudia Rankine

© Blue Flower Arts
ERSTMALS IN ÖSTERREICH

Do I like who I am becoming? Is this me? Fear. Fear in phlegm. Fear airborne. Fear foreign.

Seit Citizen: An American Lyric zählt Claudia Rankine zweifellos zu den wesentlichen Stimmen der zeitgenössischen amerikanischen Dichtkunst. Ihr Langgedicht wurde bei seinem Erscheinen 2014 in den USA als literarische Sensation gefeiert. Mit seinem unverwechselbaren, genreübergreifenden Stilmix traf das poetische Manifest über Rassismus, Diskriminierung und Gewalt einen Nerv der amerikanischen Gesellschaft. Rankine präsentiert zentrale Passagen aus diesem und anderen literarischen Werken zum Festivalthema.

Multimediapräsentation & Gespräch
 Claudia Rankine (JAM/USA): Präsentation zum Festivalthema basierend auf Citizen: An American Lyric (dt. Citizen, Übersetzerin: Uda Strätling, Spector 2018 )
Moderation:  Florian Höllerer (Leiter Literarisches Colloquium Berlin)

Multimediapräsentation in englischer Sprache. Gesprächsdolmetscherin: Laura Scheifinger

Claudia Rankine, geb. 1963 in Kingston, Jamaika. 1970 kamen ihre Eltern als Migranten nach New York City. Rankine schloss ihr Studium der Poesie an der renommierten Columbia University ab. Sie ist die preisgekrönte Autorin von fünf poetischen Werken, u. a. Don’t Let Me Be Lonely (2004, dt. 2019) und von zwei Theaterstücken sowie zahlreicher Video-Arbeiten, die in Zusammenarbeit mit John Lucas entstanden, u. a. Situation One. Ihr genreübergreifender lyrischer Essay Citizen: An American Lyric (2014, dt. 2018) wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Los Angeles Times Book Prize und dem National Book Critics Circle Award in Poetry 2015 sowie dem Forward Poetry Prize 2016. Rankine ist zudem Herausgeberin zahlreicher Anthologien. 2016 begründete sie The Racial Imaginary Institute (TRII) und wurde im selben Jahr mit dem MacArthur „Genius“ Grant ausgezeichnet. Rankine unterrichtet derzeit in Yale als Frederick Iseman Professor of Poetry. Sie lebt in New Haven, Connecticut.

Literaturhaus Wien

Zieglergasse 26A, 1070 Wien