Montag, 10. Mai 2021

Literaturhaus Wien Seidengasse 13, 1070 Wien

15:00 Uhr

Volker Kaukoreit: „Erich Fried. Dichter mit Widerspruch. Ein Porträt – eine Hommage“

Bildervortrag

Erich Fried, um 1926/27 im Liechtensteinpark im 9. Wiener Gemeindebezirk

Der Mitherausgeber von Erich Frieds Gesammelten Werken Volker Kaukoreit hat sich über viele Jahre hinweg mit dem extrem umfangreichen Nachlass des Dichters im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek beschäftigt. Den streitbaren Literaten und Büchner-Preisträger von 1987, den Kaukoreit als Student noch persönlich kennengelernt hat, porträtiert er in einem publikumsnahen, erzählerisch gestalteten Vortrag in Wort und Bild.
Herbert J. Wimmer, Autor und Mitglied der Fried Gesellschaft, liest ausgewählte Texte von Erich Fried.

Anschließend präsentiert Ulrich Hoinkes, Professor am Romanischen Seminar der Christian-Albrechts Universität zu Kiel, einen unveröffentlichten Text von Erich Fried.

Volker Kaukoreit, geb. 1955 in Dormagen, Nordrhein-Westfalen, ist ein deutscher Literaturwissenschaftler, Publizist und Archivar. 1992 Promotion mit einer Dissertation zu Erich Fried; im selben Jahr Umzug nach  Wien, 2005 Habilitation an der Universität Wien. Von 1996 bis August 2020 war Kaukoreit stellvertretender Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek.
Bei Wagenbach ist soeben seine jüngste Publikation Freiheit herrscht nicht. Gespräche und Interviews  (Hg. zs mit Tanja Gausterer) erschienen.

Herbert J. Wimmer, geb. 1951 in Melk, Niederösterreich, lebt seit 1971 in Wien, seit 1973 als Schriftsteller. Realisationen radiofoner Werke (Hörspiele und Kunstradio-Produktionen) für Rundfunkanstalten; literatur- und filmkritische Schriften, fotografische Arbeiten, Zeichnungen, Tuschen, Collagen, Lineamente.
Werke zuletzt: Klärwerk - Rezyklopädie der Gegenwart (Prosa. Sonderzahl, 2020), SCHON ZEIT IM KONTINUUM - 100 gedichte. (Lyrik. Klever, 2021)

17:00 Uhr

Klaus Fried im Gespräch mit Ralph Wieser

in englischer Sprache

Das Gemälde von Frieds Witwe Catherine Boswell Fried zeigt Erich Fried im Kreis seiner Familie. Klaus Fried ist links im Bild zu sehen.

Klaus Fried (geb. 1969 in London) hat seinen experimentellen, autobiografisch geprägten Film Burying the Dead (25 min, 1995), einen in elegischen Bildern erzählten Abschied vom berühmten Vater, erstmals 1996 am Londoner Film Festival präsentiert. Fast drei Jahrzehnte danach plant der Autor und Regisseur erneut einen Film über Erich Fried.
Mit seinem österreichischen Filmproduzenten Ralph Wieser (Mitbegründer und Geschäftsführer von Mischief Films, einer Produktionsfirma für Dokumentarfilme) spricht er über Erinnerungen an den Vater, über Annäherung und filmische Übersetzungen.
Moderation: Michael Omasta (Filmjournalist und -kritiker)

Klaus Fried, geb. 1969 in London, Zwillingssohn von Erich Fried, begann in den späten 1980er-Jahren mit Arbeiten für Film und Fernsehen. Er drehte auch Musikvideos und hat sich als Redakteur und Herstellungsleiter, später als Autor und Regisseur einen Namen gemacht. Seit 1994 unterrichtet er an der Middlesex University und am London College of Communication in der Sparte Filmproduktion und leitet seit 2011 einen Bachelorkurs in Filmpraxis.
Filmarbeiten zuletzt: Gone to the Dogs (Dokumentarfilm, 2007), ausgezeichnet mit dem Channel Four First Cut Preis am Sheffield Docfest 2010 sowie der Horrokurzfilm Room Service (2012).

19:00 Uhr

Erich Fried: „Mitunter sogar Lachen. Erinnerungen“ (Verlag Klaus Wagenbach, 2021)

Buchpräsentation & Gespräch

Mit den Autor/inn/en Josef Haslinger und  Teresa Präauer
Moderation: Günter Kaindlstorfer (Journalist und Autor)
Burgschauspieler Bardo Böhlefeld liest ausgewählte Texte.

Ausgehend von den in einer limitierten Geburtstagsausgabe erschienenen Lebenserinnerungen des großen Dichters und politischen Moralisten Erich Fried – ergänzt mit Fotos, einer Lebenschronik und einem Nachwort von Josef Haslinger – sprechen die Autor/inn/en Josef Haslinger und Teresa Präauer – beide sind auch Mitglieder der Internationalen Erich Fried Gesellschaft – über den leidenschaftlich engagierten Autor, der in den Nachkriegsjahren neue Maßstäbe für die politische Lyrik setzte. Im Raum steht auch die Frage, welche Rolle der gesellschafts-/politisch engagierten Literatur in einer Zeit zukommt, die von den Auswirkungen einer Pandemie, von drohenden Klimakrisen und wachsender Demokratieverdrossenheit gezeichnet ist.

Nachtrag: Leider musste die Wagenbach-Verlegerin Susanne Schüssler, die ebenfalls als Gesprächspartnerin vorgesehen war, aus unaufschiebaren Gründen ihre Teilnahme absagen.

Josef Haslinger, geb. 1955 in Zwettl/Niederösterreich. Autor und Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sein Politthriller Opernball über einen fiktiven terroristischen Anschlag auf den Wiener Opernball machte ihn 1995 international bekannt. Es folgten der Roman Das Vaterspiel (2000), die Erzählungen Zugvögel (2006) und 2007 der autobiografische Bericht Phi Phi Island über die Tsunamikatastrophe 2004 in Südost-Asien. 2011 veröffentlichte er den Roman Jáchymov, einen Tatsachenroman über einen dem kommunistischen Terror zum Opfer gefallenen Eishockey-Nationalspieler der CSSR. In dem 2020 erschienenen Werk Mein Fall berichtet Josef Haslinger von dem ihm als Kind im Sängerknabenkonvikt des Stiftes Zwettl widerfahrenen sexuellen Missbrauch und seine Anstrengungen, den Fall bei der „Unabhängigen Opferschutzkommission“ der österreichischen Bischofskonferenz vorzutragen.
Der Autor wurde vielfach ausgezeichnet: zuletzt 2017 mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien.

Teresa Präauer, geb. 1979 in Linz, ist Autorin und bildende Künstlerin. Präauer veröffentlichte 2012 – alle Bücher bei Wallstein – den Roman Für den Herrscher aus Übersee, der mit dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Im Herbst 2014 erschien der Künstlerroman Johnny und Jean, für den sie u. a. den Droste-Literaturförderpreis erhielt. 2016 folgte der dritte Roman Oh Schimmi, ein „formvollendet freier Roman [...], verrückt, verstörend, sehr komisch und auch tragisch“ (Die Zeit), 2018 erschien der erzählerische Essay Tier werden. 2017 war Teresa Präauer Writer in Residence am Grinnell College in den USA. Im selben Jahr wurde sie mit dem Erich Fried Preis ausgezeichnet. 2018 folgte der erzählerische Essay Tier werden und zuletzt 2021 der Geschichtenband Das Glück ist eine Bohne. Teresa Präauer lebt in Wien.

21:00 Uhr

Erich Fried - Dichter im Porzellanladen | ORF, 3Sat, 2021, ca. 50 min.

Gespräch & TV-Dokumentation

Standfoto (Ausschnitt) | im Bild: Mercedes Echerer

Mit Danielle Proskar | Moderation: Anne Zauner (Literaturhaus Wien)

Die renommierte österreichische Filmregisseurin und Drehbuchautorin Danielle Proskar erzählt im Gespräch mit Anne Zauner über die Arbeit und Realisierung ihrer Erich-Fried-Dokumentation in Zeiten einer Pandemie. Anschließend wird ihre TV-Dokumentation in voller Länge  gezeigt.

Vorführung und Livestream  mit freundlicher Genehmigung von epo-film

Danielle Proskar, geb. 1964 in Wien. Nach ihrem  Studium der Handelswissenschaften besuchte Proskar die Wiener Filmakademie und schloss ihr Studium 1995 in den Fächern Regie und Kamera  bei Peter Patzak und Christian Berger ab. Seit 1995 arbeitet sie freiberuflich als Regisseurin und Autorin zunächst im Bereich Industrie- und Imagefilm (u. a. für Rotes Kreuz, Baxter, Pfizer),  danach etablierte sie sich mit ihren Magazinbeiträgen, Dokumentation, Serien u. a. für ORF, 3Sat oder ARTE. Ihr Spielfilm Karo und der Liebe Gott (Regie, Drehbuch, 2005) wurde u. a. als Bester Film beim Internationalen Filmwochenende Würzburg, 2007 ausgezeichnet.
Dokumentationen zuletzt: Richard Sorge – Stalins James Bond  (2017), Willkommen im Gefängnis (2018), Peter Turrini – Phantast und Realist (2019)

Literaturhaus Wien Seidengasse 13, 1070 Wien