„Gewonnen kann durch Trübseligkeit nie etwas werden.“

Klaus Wagenbach (* 11. Juli 1930 in Berlin-Tegel; † 17. Dezember 2021 in Berlin)

Die Internationale Erich Fried Gesellschaft trauert um einen der Gründungsväter und ihr Ehrenmitglied Klaus Wagenbach

Wagenbach wurde in den 1960er Jahren zu einer bekannten Persönlichkeit der Außerparlamentarischen Opposition (APO) und der politisch aufbegehrenden Studentenbewegung. Er hat sich leidenschaftlich an den zivilgesellschaftlichen Protesten beteiligt und ihren Stimmen im Jahr 1964 einen Verlag gegeben.
In dieser Zeit hat er auch den im Londoner Exil lebenden,  weitgehend unbekannten Dichter Erich Fried entdeckt. 1966 veröffentlichte er  dessen polarisierenden Gedichtband gegen den amerikanischen Vietnamkrieg und Vietnam und. Mit dieser mutigen verlegerischen Entscheidung und den folgenden  Publikationen trug Wagenbach zweifellos maßgeblich dazu bei,  dass Fried zu einem „der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker nach 1945“ (Marcel Reich-Ranicki, 1988) werden konnte.

Seine Witwe Susanne Schüssler, die im Jahr 2002 die Leitung des Verlags übernommen hat, charkterisiert Klaus Wagenbach mit einem treffenden Asyndeton:  „Kriegskind, älteste Witwe Kafkas, Anarchist und Cavaliere, Radfahrer, Berliner und Italien-Appassionato, Buchhersteller, Lektor, Autorenentdecker, Verlagsgründer, unabhängiger politischer Kopf, wilder Leser und begeisterter Geschichtenerzähler, Kunst-Liebhaber, Freund und Fürsorgender, Rotweintrinker.“
Seinem Lebensmotto entsprechend wird sie den  Verlag weiterführen: „Gewonnen kann durch Trübseligkeit nie etwas werden.“

Klaus Wagenbach (Foto: © Lukas Dostal) bei den Internationalen Erich Fried Tagen 2007